Familienverbände im Gespräch mit Niedersachsens Sozialminister Philippi
Wie kann die psycho-soziale Beratungslandschaft in Niedersachsen langfristig gesichert und weiterentwickelt werden? Darüber sprach Alfons Gierse, Geschäftsführer des Familienbund der Katholiken und Vorsitzender des Bundesverbandes Katholischer Ehe-, Familien- und Lebensberaterinnen und -berater, mit Niedersachsens Sozialminister Dr. Andreas Philippi.
Hintergrund ist die vom Land Niedersachsen auf den Weg gebrachte wissenschaftliche Untersuchung der vom Land geförderten psycho-sozialen Beratungsangebote. Sie soll bestehende Strukturen analysieren und Empfehlungen für eine bedarfsgerechte und langfristig tragfähige Beratungslandschaft entwickeln.
Gierse warb dafür, dabei auch die Ehe-, Familien- und Lebensberatung in kirchlicher Trägerschaft angemessen einzubeziehen. „Wer die Beratungslandschaft in Niedersachsen abbilden will, muss auch diejenigen Angebote erfassen, die bislang überwiegend aus kirchlichen Eigenmitteln finanziert werden.“ Die EFL begleite Menschen bei Partnerschaftskrisen, Trennung, familiären Konflikten und persönlichen Belastungen und leiste damit einen wichtigen präventiven Beitrag.
Philippi machte zugleich deutlich, dass bei der zukünftigen Gestaltung der Beratungslandschaft stärker nach Synergien gesucht und Doppelstrukturen überprüft werden müssten. „Es gilt, Synergien herzustellen und Doppelstrukturen zu verringern“, so der Minister im Gespräch.
Für die kirchliche Ehe-, Familien- und Lebensberatung kann darin nach Auffassung von Gierse auch eine Chance liegen. „Wir müssen selbst fragen, wo wir unsere Kräfte stärker bündeln können. Dazu gehört für mich ausdrücklich eine intensivere ökumenische Zusammenarbeit.“ Denkbar seien beispielsweise mehr gemeinsam getragene ökumenische Beratungsstellen, in denen katholische und evangelische Träger ihre fachlichen und finanziellen Ressourcen zusammenführen.
Entscheidend sei, Bewährtes nicht einfach abzubauen, sondern vorhandene Strukturen klug weiterzuentwickeln. „Unser Ziel muss sein, auch künftig eine verlässliche, niedrigschwellige und fachlich qualifizierte Beratung für Paare, Familien und Menschen in Krisensituationen anbieten zu können“, betont Gierse und sprach dabei von einer Verantwortungsgemeinschaft von Kirche und Politik.
Die anstehende Studie bietet aus seiner Sicht die Chance, dafür erstmals eine belastbare Grundlage zu schaffen: „Wir wollen uns an dieser Diskussion konstruktiv beteiligen – mit der Erfahrung unserer Beratungsstellen, aber auch mit der Bereitschaft, neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln.“
Bild: Familienbund