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Leben in ver-rückten Systemen
10.05.2017
Leben in ver-rückten Systemen

Die Jahrestagung fand vom 10.-13. Mai 2017 in Suhl statt.

Was heißt „ver-rückt“ sein? Ist „ver-rückt“ eine Kategorie der psychischen Erkrankung oder bedeutet es, nicht mehr zu funktionieren im tradierten System? Die Jahrestagung widmet sich nicht dem Thema des Verrückt-Seins nach dem ICD-10-GM, sondern den veränderten Lebensbedingungen in Familie, Arbeit und Gesellschaft. Einiges in unserer Gesellschaft hat sich verändert, ver-rückt im positiven wie im problematischen Sinn. Im systemischen Denken bedeutet eine individuelle Bewegung gleichzeitig eine Irritation im System, die herausfordert zu Veränderung und neuer Integration. Es braucht ein wenig „ver-rücken“, um Innovationen in Gang zu setzen.

Die Jahrestagung beschäftigt sich mit den Veränderungen innerhalb der Familie. Neben der traditionellen Form gibt es eine Vielfalt unterschiedlicher Familien-systeme und eine immer größere Anzahl von Menschen, die – zu einem großen Teil unfreiwillig – alleine leben. Viele klagen über Einsamkeit in der vernetzten Welt. Sie wünschen sich alternative und verbundenere Lebens- und Wohnformen bis ins hohe Alter. Sterben und Trauer werden meist ausgegrenzt aus unserem glücksoptimiertem Leben.

Trotz vieler Chancen in den Medien kommen die persönliche Begegnung und die anwesende Nähe zu kurz. Die geforderte Mobilität im Berufsleben erzeugt auch große räumliche Trennungen und führt zu Wochenendfamilien. Solche Anforderungen im Beruf sind oft heraus- und überfordernd.

So nehmen neben den typischen Stresskrankheiten wie Kreislauf-, Herz- und Rückenbeschwerden psychische Erkrankungen wie Depression und Burnout zu und die familiären Belastungen durch einen kranken Partner oder kranke Kinder sind hoch.

Lebensabschnittspartnerschaften werden zunehmend Normalität. Auch wenn das Ideal der lebenslangen Verbundenheit und Liebe weiterhin besteht, so sind Trennungen und immer wieder Neuanfänge in vielen Lebensläufen zu finden.

Gesellschaftlich stehen wir vor enormen Aufgaben. In vielen Lebensbereichen brauchen wir gelingende Integration. Das wird auch die Beratungsarbeit beeinflussen.

Die Arbeitsgruppen der Jahrestagung wollen diese Thematiken beleuchten und Wege und Auswege aufzeigen. Für die Beratungsarbeit werden neben dem Bewusstmachen dieser Aspekte auch hilfreiche Methoden und Interventionsmöglichkeiten vorgestellt und eingeübt.

Wir danken der Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Telefonseelsorge und Offene Tür e.V. – Kath. BAG e.V. – sowie der Katholischen Bundeskonferenz für Ehe-, Familien- und Lebensberatung – KBKEFL – für die gute Zusammenarbeit und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für die finanzielle Förderung unserer Fortbildungsveranstaltung.

Wir wünschen Ihnen, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine anregende Tagung.

 

Download: Das Tagungsprogramm